Montag, 11. Mai 2015

Wie richten sich das italienische Schulsystem auf die Integration von Migranten ein?


 

Im Rahmen der neuesten Flüchtlingsentwicklungen und Migrationsbewegungen kommen immer mehr Migranten nach Italien. Viele der Aufenthaltsgenehmigungen an Nicht-EU-Bürger werden auf Grund von Familienzusammenführungen vergeben. In 2010 kam es insgesamt zu 160.200 Zusammenführungen, in 70.336 Fällen waren auch Kinder involviert. Diese Zahlen sind im europäischen Vergleich am höchsten. Entsprechend des Trends leben immer mehr Kinder und Jugendliche in Italien, die ihr Recht auf Schulbildung wahrnehmen wollen. 2010/11 waren 711.046 Kinder mit Migrationshintergrund an italienischen Schulen eingeschrieben. Die Integration dieser Kinder und Jugendlichen in den Schulalltag stellt eine große Herausforderung für das italienische Schulsystem dar. Neben den psychischen Belastungen, die Flüchtlinge und Migranten durch ihren Wohnortswechsel ohnehin ausgesetzt sind, erleben viele Kinder zusätzliche Schwierigkeiten bzw. Nachteile in der Schule. Einige können bedingt durch ihre Lebenssituation erst später eingeschult werden bzw. wird die Ausbildung im Schnitt häufig verzögert. Zudem haben viele der Kinder und Jugendlichen Probleme, dem Unterricht zu folgen und verzeichnen eine durchschnittlich deutlich höhere Misserfolgsquote als ihre italienischen MitschülerInnen. Meistens ist auch der Übergang auf eine weiterführende Schule bzw. zu einer höheren Bildungseinrichtung mit Schwierigkeiten verbunden. Da Bildung und soziale Beteiligung eine relevante Rolle bei der Integration spielen, sollten diese Probleme nicht unbeachtet gelassen werden und die Kinder und Jugendlich so weit wie möglich unterstützt werden. Im Zuge dieser Entwicklung hat im Januar 2010 das Ministerium für Bildung, Universität und Wissenschaft eine Begrenzung für den Migrantenanteil in Schulklassen auf maximal 30% erlassen, um einer Ghettoisierung vorzubeugen und die soziale Beteiligung und Integration zu befördern. Abgesehen davon, dass sich die Umsetzung in Orten mit hohem Migrationsanteil schwierig gestaltet, ist diese Maßnahme wohl eher eine Symptombekämpfung. Schließlich sollte v.a. die gezielte Förderung und ein vereinfachter Zugang zum Bildungssystem für Kinder Jugendliche mit Migrationshintergrund das Ziel der Integrationspolitik sein.

Quelle: 
Callia, Raffaele et al. (2012): Organisation of asylum and migration policies in Italy. Roma: EMN. S.22-33

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