Wie richten sich das italienische Schulsystem auf die Integration von Migranten ein?
Im
Rahmen der neuesten Flüchtlingsentwicklungen und
Migrationsbewegungen kommen immer mehr Migranten nach Italien. Viele
der Aufenthaltsgenehmigungen an Nicht-EU-Bürger werden auf Grund von
Familienzusammenführungen vergeben. In 2010 kam es insgesamt zu
160.200 Zusammenführungen, in 70.336 Fällen waren auch Kinder
involviert. Diese Zahlen sind im europäischen Vergleich am höchsten.
Entsprechend des Trends leben immer mehr Kinder und Jugendliche in
Italien, die ihr Recht auf Schulbildung wahrnehmen wollen. 2010/11
waren 711.046 Kinder mit Migrationshintergrund an italienischen
Schulen eingeschrieben. Die Integration dieser Kinder und
Jugendlichen in den Schulalltag stellt eine große Herausforderung
für das italienische Schulsystem dar. Neben den psychischen
Belastungen, die Flüchtlinge und Migranten durch ihren
Wohnortswechsel ohnehin ausgesetzt sind, erleben viele Kinder
zusätzliche Schwierigkeiten bzw. Nachteile in der Schule. Einige
können bedingt durch ihre Lebenssituation erst später eingeschult
werden bzw. wird die Ausbildung im Schnitt häufig verzögert. Zudem
haben viele der Kinder und Jugendlichen Probleme, dem Unterricht zu
folgen und verzeichnen eine durchschnittlich deutlich höhere
Misserfolgsquote als ihre italienischen MitschülerInnen. Meistens
ist auch der Übergang auf eine weiterführende Schule bzw. zu einer
höheren Bildungseinrichtung mit Schwierigkeiten verbunden. Da
Bildung und soziale Beteiligung eine relevante Rolle bei der
Integration spielen, sollten diese Probleme nicht unbeachtet gelassen
werden und die Kinder und Jugendlich so weit wie möglich unterstützt
werden. Im Zuge dieser Entwicklung hat im Januar 2010 das Ministerium
für Bildung, Universität und Wissenschaft eine Begrenzung für den
Migrantenanteil in Schulklassen auf maximal 30% erlassen, um einer
Ghettoisierung vorzubeugen und die soziale Beteiligung und
Integration zu befördern. Abgesehen davon, dass sich die Umsetzung
in Orten mit hohem Migrationsanteil schwierig gestaltet, ist diese
Maßnahme wohl eher eine Symptombekämpfung. Schließlich sollte v.a.
die gezielte Förderung und ein vereinfachter Zugang zum
Bildungssystem für Kinder Jugendliche mit Migrationshintergrund das
Ziel der Integrationspolitik sein.
Quelle:
Quelle:
Callia,
Raffaele et al. (2012): Organisation of asylum and migration policies
in Italy. Roma: EMN. S.22-33

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