Die Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt sollte eines der wichtigsten Ziele jedes Staates sein. Dies gilt sowohl für Italien als auch für Deutschland. Die Gründe dafür sind vielfältig und doch kann ganz besonders ein zentraler Punkt hervorgehoben werden. Wie in dem Artikel „Migration in Italy – Current Situation and Perspectives“ von Luigi Gaffuri und Franco Pittau bereits erwähnt wurde, wird es in Zukunft nicht möglich sein, die Wirtschaft vieler EU-Länder – darunter auch Italien – ohne die Arbeitskraft von Einwanderern aufrecht zu halten. In der gemeinsamen deutsch-italienischen Vergangenheit konnte ein ähnliches Phänomen beispielsweise in den 1960er Jahren mit dem Zuzug von italienischen Gastarbeitern beobachtet werden, der auf die noch heute andauernde wirtschaftliche Stärke des Ruhrgebietes Einfluss hatte.
Die Ursache für den auch in Zukunft vorhandenen Bedarf an
Arbeitskraft durch Migranten liegt im demografischen Wandel, der sich in fast
allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union beobachten lässt. Laut Prognosen
von ISTAT, dem italienischen Statistikamt, wird das Durchschnittsalter auf der
Apenninenhalbinsel bis 2050 um mindestens fünf Jahre gestiegen sein. Damit wird
auch die Quote der Erwerbsfähigen um mehrere Prozentpunkte sinken. Diesem Trend
wirken die Migranten mit ihrer vorteilhaften Altersstruktur entgegen. Sowohl
das geringere Durchschnittsalter – und
damit auch die höhere Erwerbstätigenzahl – also auch eine erhöhte Geburtenrate
unter den Einwanderern wird laut Gaffuri und Pittau positive Auswirkungen nach
sich ziehen.
Eine Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt in allen
Branchen und Wirtschaftssektoren muss daher zwingendes Ziel der nationalen
Regierungen aber auch der gesamteuropäischen Politik sein. Derzeit sind
Diskriminierungen bei Bewerbungen aufgrund von fremd klingenden Namen oder bei
Bewerbungsgesprächen wegen der Hautfarbe oder Bekleidung leider ebenso
alltäglich wie die Benachteiligung durch eingeschränkte Mobilisierung auf dem
innereuropäischen Arbeitsmarkt und Nichtanerkennung von Abschlüssen und
Qualifizierungen aus dem Heimatland.
Zur Bekämpfung dieser derzeit zu beobachtenden Auswirkungen
werden auf nationaler Ebene bereits verschiedene Ansätze durchgeführt und
diskutiert. Allgemein gilt der Erwerb von adäquaten Sprachkenntnissen als einer
der wichtigsten und ersten Schritte zur
Integration auf dem Arbeitsmarkt. Aber auch in der Praxis der Arbeitsämter besteht
insbesondere bezüglich der Anerkennung von Qualifizierungen noch viel
Handlungsbedarf. An dieser Stelle ist auch auf das von Gaffuri und Pittau
erwähnte, notwendige Umdenken der sozialen, europäischen Gesellschaft
hinzuweisen. Migranten dürfen nicht länger als „Schmarotzer“ beschimpft oder
als Menschen, die den Einheimischen die Arbeit klauen wollen, angesehen werden.
V. Barnack
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