Sonntag, 10. Mai 2015

Integration auf dem europäischen Arbeitsmarkt


Die Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt sollte eines der wichtigsten Ziele jedes Staates sein. Dies gilt sowohl für Italien als auch für Deutschland. Die Gründe dafür sind vielfältig und doch kann ganz besonders ein zentraler Punkt hervorgehoben werden. Wie in dem Artikel „Migration in Italy – Current Situation and Perspectives“ von Luigi Gaffuri und Franco Pittau bereits erwähnt wurde, wird es in Zukunft nicht möglich sein, die Wirtschaft vieler EU-Länder – darunter auch Italien – ohne die Arbeitskraft von Einwanderern aufrecht zu halten. In der gemeinsamen deutsch-italienischen Vergangenheit konnte ein ähnliches Phänomen beispielsweise in den 1960er Jahren mit dem Zuzug von italienischen Gastarbeitern beobachtet werden, der auf die noch heute andauernde wirtschaftliche Stärke des Ruhrgebietes Einfluss hatte.

Die Ursache für den auch in Zukunft vorhandenen Bedarf an Arbeitskraft durch Migranten liegt im demografischen Wandel, der sich in fast allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union beobachten lässt. Laut Prognosen von ISTAT, dem italienischen Statistikamt, wird das Durchschnittsalter auf der Apenninenhalbinsel bis 2050 um mindestens fünf Jahre gestiegen sein. Damit wird auch die Quote der Erwerbsfähigen um mehrere Prozentpunkte sinken. Diesem Trend wirken die Migranten mit ihrer vorteilhaften Altersstruktur entgegen. Sowohl das geringere Durchschnittsalter  – und damit auch die höhere Erwerbstätigenzahl – also auch eine erhöhte Geburtenrate unter den Einwanderern wird laut Gaffuri und Pittau positive Auswirkungen nach sich ziehen.

Eine Integration von Migranten auf dem Arbeitsmarkt in allen Branchen und Wirtschaftssektoren muss daher zwingendes Ziel der nationalen Regierungen aber auch der gesamteuropäischen Politik sein. Derzeit sind Diskriminierungen bei Bewerbungen aufgrund von fremd klingenden Namen oder bei Bewerbungsgesprächen wegen der Hautfarbe oder Bekleidung leider ebenso alltäglich wie die Benachteiligung durch eingeschränkte Mobilisierung auf dem innereuropäischen Arbeitsmarkt und Nichtanerkennung von Abschlüssen und Qualifizierungen aus dem Heimatland.
 
 

Zur Bekämpfung dieser derzeit zu beobachtenden Auswirkungen werden auf nationaler Ebene bereits verschiedene Ansätze durchgeführt und diskutiert. Allgemein gilt der Erwerb von adäquaten Sprachkenntnissen als einer der wichtigsten und ersten Schritte  zur Integration auf dem Arbeitsmarkt. Aber auch in der Praxis der Arbeitsämter besteht insbesondere bezüglich der Anerkennung von Qualifizierungen noch viel Handlungsbedarf. An dieser Stelle ist auch auf das von Gaffuri und Pittau erwähnte, notwendige Umdenken der sozialen, europäischen Gesellschaft hinzuweisen. Migranten dürfen nicht länger als „Schmarotzer“ beschimpft oder als Menschen, die den Einheimischen die Arbeit klauen wollen, angesehen werden.

V. Barnack

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