Montag, 27. April 2015

Kritische Selbstreflexion und Erfahrungen mit Alltagsrassismus:



Ich studiere Sprachen, habe ich bereits im Ausland gewohnt und lebe aktuell in einer interkulturellen Studentenstadt. Seit über zwei Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in einem Verein, der internationalen Austausch von Studierenden unterstützen und verbessern möchte. Auf lokaler Ebene helfen wir internationalen Studierenden dabei, sich in ihrer neuen Umwelt besser zurechtzufinden. Wir organisieren kulturelle Aktivitäten wie z.B. Trips in andere Städte, Sprachtandems aber auch Partys. Dadurch sollen internationale als auch nationale Studierende integriert und motiviert werden, an Austauschprogrammen teilzunehmen.
Ich denke daher behaupten zu können, einen gewissen individuellen Erfahrungsschatz im Zusammenhang mit Menschen verschiedener Herkunft und Kultur zu besitzen. Dabei wird mit immer wieder bewusst, dass jeder Mensch ein Individuum ist und nicht aufgrund seiner Hautfarbe, Religion oder anderer Kategorien generalisiert werden kann.
Leider tragen oft gerade Sprachkurse zur Stärkung dieser Vorurteile bei. So habe ich mehrfach erlebt, wie die vermeidlich deutschen Charaktereigenschaften vom Dozenten mit generalisierten Stereotypen des zum Sprachkurs zugehörigen Landes in Vergleich gesetzt wurden.
Die Frage an einen Schwarzen Mitstudenten von Seiten der Dozentin „…und wie feiert man in deinem Land Ostern?“ fällt mir als Situation von unbewusstem Alltagsrassismus ein. Der Student war in Deutschland geboren und aufgewachsen und nur aufgrund seiner Hautfarbe hatte die Dozentin auf die Herkunft aus einem anderen Land und Kulturkreis geschlossen. Zwar war dies wohl nicht mit negativer Absicht geschehen, dennoch musste sich der Student erklären.
 Auch ich ertappe mich manchmal in Situationen, in denen man leicht in stereotypisches Denken verfallen kann, sei es wenn gerade ein Spanier unpünktlich ankommt oder eine Gruppe von drei Italienern die Lautstärke von zehn Personen an den Tag zu legen scheint. Schnell denkt man da „typisch“ und sieht generelle Vorurteile fälschlich aufgrund von Einzelfällen bestätigt.
Im Zusammentreffen von verschiedenen Menschen, verschiedener Altersstufen, Herkünfte, sozialer Schichten oder möglicher Merkmale werden zwangsläufig Unterschiede klar.
Die Frage ist nur, ob man diese als Abgrenzungsmöglichkeit missbraucht um rassistisches Denken über „bessere“ und „schlechtere“ Gruppen zu kreieren oder ob man die Unterschiede akzeptiert und als positive Bereicherung für eine bunte und vielfältige Gesellschaft ansieht.

Ich habe mich für letzteres Entschieden. 
J. 

Hier noch ein wunderbares Video, das zwar vielen schon bekannt sein wird, aber nicht oft genug gepostet werden kann:https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=PnDgZuGIhHs 

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