Ich studiere Sprachen, habe
ich bereits im Ausland gewohnt und lebe aktuell in einer interkulturellen
Studentenstadt. Seit über zwei Jahren engagiere ich mich ehrenamtlich in einem
Verein, der internationalen Austausch von Studierenden unterstützen und
verbessern möchte. Auf lokaler Ebene helfen wir internationalen Studierenden
dabei, sich in ihrer neuen Umwelt besser zurechtzufinden. Wir organisieren
kulturelle Aktivitäten wie z.B. Trips in andere Städte, Sprachtandems aber auch
Partys. Dadurch sollen internationale als auch nationale Studierende integriert
und motiviert werden, an Austauschprogrammen teilzunehmen.
Ich denke daher behaupten zu können, einen gewissen
individuellen Erfahrungsschatz im Zusammenhang mit Menschen verschiedener
Herkunft und Kultur zu besitzen. Dabei wird mit immer wieder bewusst, dass
jeder Mensch ein Individuum ist und nicht aufgrund seiner Hautfarbe, Religion
oder anderer Kategorien generalisiert werden kann.
Leider tragen oft gerade Sprachkurse zur Stärkung dieser
Vorurteile bei. So habe ich mehrfach erlebt, wie die vermeidlich deutschen
Charaktereigenschaften vom Dozenten mit generalisierten Stereotypen des zum
Sprachkurs zugehörigen Landes in Vergleich gesetzt wurden.
Die Frage an einen Schwarzen Mitstudenten von Seiten der
Dozentin „…und wie feiert man in deinem Land Ostern?“ fällt mir als Situation
von unbewusstem Alltagsrassismus ein. Der Student war in Deutschland geboren
und aufgewachsen und nur aufgrund seiner Hautfarbe hatte die Dozentin auf die
Herkunft aus einem anderen Land und Kulturkreis geschlossen. Zwar war dies wohl
nicht mit negativer Absicht geschehen, dennoch musste sich der Student
erklären.
Auch ich ertappe mich
manchmal in Situationen, in denen man leicht in stereotypisches Denken
verfallen kann, sei es wenn gerade ein Spanier unpünktlich ankommt oder eine
Gruppe von drei Italienern die Lautstärke von zehn Personen an den Tag zu legen
scheint. Schnell denkt man da „typisch“ und sieht generelle Vorurteile fälschlich
aufgrund von Einzelfällen bestätigt.
Im Zusammentreffen von verschiedenen Menschen, verschiedener
Altersstufen, Herkünfte, sozialer Schichten oder möglicher Merkmale werden zwangsläufig
Unterschiede klar.
Die Frage ist nur, ob man diese als Abgrenzungsmöglichkeit
missbraucht um rassistisches Denken über „bessere“ und „schlechtere“ Gruppen zu
kreieren oder ob man die Unterschiede akzeptiert und als positive Bereicherung
für eine bunte und vielfältige Gesellschaft ansieht.
Ich habe mich für letzteres Entschieden.
J.
Hier noch ein wunderbares Video, das zwar vielen schon bekannt sein wird, aber nicht oft genug gepostet werden kann:https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=PnDgZuGIhHs

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